Zusammenspiel von Corporate Design, Corporate Communication und Corporate Behaviour

Geschätzte Lektüre: 10 Minuten 234 Ansichten

Die drei Säulen der Markenidentität

Die Art und Weise, wie Unternehmen und Organisationen wahrgenommen werden, ist kein Zufallsprodukt. Sie entsteht aus dem gezielten Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die in der Markenführung als integrale Bestandteile der Unternehmensidentität betrachtet werden. In diesem Lernskript untersuchen wir die drei zentralen Dimensionen dieser Identität: Corporate Design, Corporate Communication und Corporate Behaviour.

Diese drei Elemente bilden gemeinsam das Erscheinungsbild einer Marke nach innen und außen. Sie entscheiden darüber, ob ein Unternehmen als stimmig, glaubwürdig und professionell wahrgenommen wird. Das Verständnis ihres Zusammenwirkens ist grundlegend für alle, die sich mit strategischer Markenführung, Unternehmenskommunikation oder Gestaltung befassen.


1. Das Eisbergmodell als analytischer Rahmen

Um die Beziehung zwischen den drei Dimensionen zu verstehen, eignet sich das Modell des Eisbergs. Dieses Modell stammt ursprünglich aus der Kommunikationspsychologie und veranschaulicht, dass das Sichtbare nur einen kleinen Teil eines größeren Ganzen darstellt.

Die sichtbare Ebene – die Spitze des Eisbergs:
Was wir von einer Marke unmittelbar wahrnehmen, sind ihre visuellen Merkmale. Dazu gehören das Logo, die Farbgebung, die Typografie, das Design von Geschäften oder Verpackungen. Diese Elemente sind bewusst gestaltet und für die Rezipienten direkt erfassbar.

Die unsichtbare Ebene – der Teil unter der Wasseroberfläche:
Unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen diejenigen Aspekte, die nicht sofort sichtbar sind, aber maßgeblich beeinflussen, wie eine Marke erlebt wird: die Art der Kommunikation, der Umgang mit Kunden, die Werte und Überzeugungen, die das Handeln der Mitarbeitenden leiten. Diese unsichtbaren Elemente bestimmen letztlich, ob die sichtbaren Signale als authentisch empfunden werden.


2. Corporate Design: Die visuelle Identität

Definition und Funktion

Corporate Design bezeichnet die Gesamtheit aller gestalterischen Elemente, die ein Unternehmen visuell repräsentieren. Es ist das formalisierte Erscheinungsbild, das auf Dauer angelegt ist und in einem Regelwerk, dem sogenannten Gestaltungsleitfaden, festgehalten wird. Die Funktion des Corporate Designs besteht darin, Wiedererkennbarkeit zu schaffen und die Werte der Marke visuell zu transportieren.

Die Bestandteile im Einzelnen

Ein vollständiges Corporate Design umfasst verschiedene Elemente:

Logo und Wortmarke:
Das Logo ist das zentrale Erkennungszeichen einer Marke. Es kann aus einem Bildzeichen (Icon), einer Wortmarke (typografisch gestalteter Name) oder einer Kombination aus beiden bestehen. Die Wortmarke von Coca-Cola beispielsweise ist so charakteristisch, dass sie allein aufgrund ihrer Form und Schriftart identifizierbar ist.

Farbwelten:
Farben lösen Assoziationen aus und transportieren Emotionen. Die Wahl der Farbpalette folgt daher strategischen Überlegungen. Die rote Farbe von Coca-Cola wird mit Energie, Lebensfreude und Tradition verbunden – Eigenschaften, die das Unternehmen seit Jahrzehnten kommuniziert.

Typografie:
Die Schriftwahl prägt den Charakter der Marke mit. Serifenschriften wirken oft traditionell und seriös, serifenlose Schriften modern und klar. Die Schrift ist Bestandteil der visuellen Sprache und muss auf allen Anwendungen konsistent eingesetzt werden.

Bildsprache und Gestaltungsraster:
Die Art der verwendeten Fotografien, Illustrationen und deren Anordnung folgt festgelegten Prinzipien. Ob helle, freundliche Bilder oder sachliche Produktfotografien – die Bildsprache verstärkt die gewünschte Wahrnehmung.

Praktische Bedeutung

Corporate Design dient als visueller Botschafter der Marke. Es ermöglicht, dass ein Unternehmen auf einen Blick erkannt wird – unabhängig davon, ob man eine Anzeige, eine Verpackung oder die Unternehmenswebsite betrachtet. Diese Wiedererkennbarkeit ist ökonomisch wertvoll, da sie Orientierung bietet und Vertrauen aufbauen kann.


3. Corporate Communication: Die verbale Identität

Definition und Aufgaben

Corporate Communication umfasst sämtliche kommunikativen Äußerungen eines Unternehmens. Darunter fallen sowohl interne Kommunikation (Mitarbeiterzeitschriften, Intranet) als auch externe Kommunikation (Werbung, Pressemitteilungen, Social Media, Kundennewsletter). Es ist diejenige Dimension, die der Marke eine Stimme verleiht.

Die Stimme der Marke

Jede Marke kommuniziert in einem bestimmten Tonfall. Dieser Tonfall wird als Tonalität oder Markenstimme bezeichnet. Sie bestimmt, ob ein Unternehmen formell oder locker auftritt, ob es fachlich oder unterhaltsam spricht, ob es Distanz oder Nähe zu seinem Publikum aufbaut.

Beispiel IKEA:
Die Texte des Möbelhauses sind in einer verständlichen, freundlichen und einladenden Sprache verfasst. Sie vermitteln den Eindruck, ein hilfsbereiter Begleiter in Fragen der Wohnraumgestaltung zu sein. Diese sprachliche Nähe zur Zielgruppe ist bewusst gewählt und unterstützt das Markenversprechen, Einrichtungsprobleme einfach und günstig zu lösen.

Inhalte und Positionierung

Corporate Communication vermittelt nicht nur Informationen über Produkte oder Dienstleistungen. Sie transportiert auch die Haltung des Unternehmens zu gesellschaftlichen Fragen, seine Werte und seine Positionierung im Wettbewerb. Durch die Wahl der Themen und die Art ihrer Darstellung zeigt die Marke, wofür sie steht.


4. Corporate Behaviour: Die handelnde Identität

Definition und Reichweite

Corporate Behaviour bezeichnet das tatsächliche Verhalten eines Unternehmens und seiner Mitarbeitenden. Es umfasst alle Handlungen, die von außen wahrgenommen werden können: Wie wird mit Kundenanfragen umgegangen? Wie verhalten sich Verkäufer im Ladengeschäft? Unter welchen Bedingungen werden Produkte hergestellt? Wie reagiert das Unternehmen auf Kritik?

Verhalten als Beweis

Während Corporate Design zeigt und Corporate Communication erzählt, beweist Corporate Behaviour, ob die Versprechen der Marke eingehalten werden. Es ist diejenige Dimension, an der sich die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens letztlich bemisst.

Beispiel Apple Stores:
Die Einzelhandelsgeschäfte von Apple sind nicht nur gestalterisch durch ihre klare, minimalistische Architektur geprägt. Entscheidend ist auch das Verhalten der Mitarbeitenden, die als „Genius“ bezeichnet werden. Ihre freundliche, kompetente und effiziente Beratung entspricht den Markenwerten Qualität, Klarheit und Premium-Anspruch. Das Verhalten bestätigt hier, was Design und Kommunikation versprechen.

Interne Voraussetzungen

Corporate Behaviour ist nicht allein durch Anweisungen von oben steuerbar. Es setzt voraus, dass Mitarbeitende die Werte der Marke verinnerlicht haben und in ihrem täglichen Handeln umsetzen können. Dafür sind entsprechende Schulungen, aber vor allem eine Unternehmenskultur erforderlich, die dieses Verhalten fördert und vorlebt.


5. Die Notwendigkeit der Konsistenz: Der Dreiklang der Marke

Das Prinzip der Abstimmung

Die entscheidende Erkenntnis der Markenführung ist, dass diese drei Dimensionen nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Sie müssen vielmehr aufeinander abgestimmt sein und in die gleiche Richtung wirken. Nur dann entsteht ein stimmiges Gesamtbild.

Zur Veranschaulichung dient das Modell des musikalischen Dreiklangs:

Corporate Design als Melodie:
Die Melodie ist das, was man zuerst wahrnimmt. Sie prägt sich ein und bleibt im Gedächtnis. Ebenso ist das Design der unmittelbar erfassbare Teil der Marke.

Corporate Communication als Text:
Der Text gibt der Melodie Inhalt und Bedeutung. Er erzählt eine Geschichte, benennt Werte und schafft Verständnis. Ohne Text bleibt die Melodie beliebig interpretierbar.

Corporate Behaviour als Harmonie:
Die Harmonie verbindet Melodie und Text. Sie sorgt dafür, dass das Gesamtwerk stimmig klingt. Fehlt die Harmonie oder passt sie nicht, entsteht ein dissonanter, unangenehmer Klang.

Folgen von Inkonsistenz

Wenn die drei Dimensionen nicht zusammenspielen, entsteht Verwirrung beim Publikum. Die Marke wirkt unglaubwürdig, da Widersprüche zwischen dem, was sie zeigt, sagt und tut, offenbar werden.

Negativbeispiel Bank:
Stellen Sie sich eine Bank vor, deren Corporate Design auf Seriosität und Tradition ausgelegt ist: dunkle Farben, klassische Typografie, gediegene Aufmachung. Würde dieselbe Bank in ihrer Kommunikation auf Social Media einen betont lockeren, jugendlichen Tonfall mit umgangssprachlichen Formulierungen wählen, entstünde ein Widerspruch zwischen Design und Kommunikation. Die Kunden wüssten nicht, ob sie es mit einem traditionellen Institut oder einem trendigen Start-up zu tun haben.

Negativbeispiel Nachhaltigkeit:
Noch folgenreicher sind Widersprüche zwischen Kommunikation und Verhalten. Ein Modeunternehmen, das mit ökologischer Produktion wirbt (Corporate Communication), aber seine Kleidung unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen herstellen lässt (Corporate Behaviour), verliert jede Glaubwürdigkeit. Die Konsumenten durchschauen diese Diskrepanz – und reagieren mit Misstrauen oder boykottieren die Marke.


Zusammenfassung: Die integrative Funktion der Markenidentität

Fassen wir die Erkenntnisse zusammen:

Corporate Design zeigt, wer wir sind.
Es ist die sichtbare Hülle, die visuelle Präsenz und Wiedererkennbarkeit schafft.

Corporate Communication erzählt, wer wir sind.
Sie gibt der Marke eine Stimme, vermittelt Werte, Positionen und Botschaften.

Corporate Behaviour beweist, wer wir sind.
Es ist das tatsächliche Handeln, das die Glaubwürdigkeit der Marke unter Beweis stellt.

Diese drei Dimensionen bilden gemeinsam die Markenidentität. Sie ist nicht die Summe einzelner Maßnahmen, sondern das Ergebnis eines integrativen Prozesses, der alle Bereiche des Unternehmens umfasst.


Schlussfolgerungen für die Praxis

Für die strategische Arbeit an einer Marke ergeben sich aus diesem Modell konkrete Anforderungen:

1. Ganzheitliche Planung:
Design, Kommunikation und Verhalten müssen von Anfang an gemeinsam gedacht werden. Eine isolierte Entwicklung einzelner Bereiche führt zwangsläufig zu Brüchen.

2. Kontinuierliche Abstimmung:
Die drei Dimensionen sind nicht statisch. Sie müssen regelmäßig auf ihre Übereinstimmung überprüft werden – insbesondere bei Veränderungen des Marktes oder der strategischen Ausrichtung.

3. Verankerung im Unternehmen:
Corporate Behaviour lässt sich nicht allein durch Richtlinien steuern. Es erfordert eine Unternehmenskultur, in der die Markenwerte von allen Mitarbeitenden verstanden und gelebt werden.

4. Glaubwürdigkeit als Ziel:
Das oberste Ziel der Integration von Design, Kommunikation und Verhalten ist Glaubwürdigkeit. Nur eine Marke, die in allen Dimensionen konsistent auftritt, kann Vertrauen aufbauen und langfristig bestehen.

Die konsequente Verknüpfung dieser drei Elemente ist daher keine optionale Gestaltungsaufgabe, sondern eine strategische Notwendigkeit. Sie entscheidet darüber, ob eine Marke als sichtbar, verständlich und vertrauenswürdig wahrgenommen wird – und damit über ihren langfristigen Erfolg.


Dieses Dokument teilen

Zusammenspiel von Corporate Design, Corporate Communication und Corporate Behaviour

Oder Link kopieren

INHALT

Abonnieren

×
Cancel