Prinzipien

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Wissenschaftlicher Hintergrund

Wie wir gemeinsam sehen werden, basieren die Gestaltungsprinzipien guter Infografiken nicht auf subjektivem Geschmack, sondern auf Erkenntnissen aus der Kognitionswissenschaft, der Wahrnehmungspsychologie und der Kommunikationsforschung. Die Gestalt-Theorie, die Cognitive Load Theory und Edward Tuftes Theorie der Datenvisualisierung haben wesentliche Beiträge geliefert.


Die fünf zentralen Prinzipien

Prinzip 1: Klarheit

Eine Infografik soll genau eine Kernaussage vermitteln. Alles, was von dieser Aussage ablenkt, ist überflüssig. Edward Tufte prägte den Begriff „Data-Ink-Ratio“: Je höher der Anteil der Druckfläche, der tatsächliche Dateninformation trägt, desto besser die Grafik.

Praktisch bedeutet das: Verzicht auf überflüssige Rahmen, Hintergrundbilder und dekorative Elemente, die keine zusätzliche Information tragen. Ein gutes Designprinzip lautet: „Wenn Sie ein Element entfernen können, ohne dass Information verloren geht – entfernen Sie es.“

Prinzip 2: Lesbarkeit

Schriften, Zahlen und Beschriftungen müssen ohne Mühe gelesen werden können. Dazu gehören: ausreichende Schriftgröße (mindestens 8 pt auch im Druck), ausreichender Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund, prägnante Formulierungen und das Vermeiden von Abkürzungen, die nicht allgemein bekannt sind.

Praxishinweis:
Testen Sie Lesbarkeit, indem Sie die Grafik auf kleinen Bildschirmen oder ausgedruckt in schwarz-weiß prüfen. Ist sie noch verständlich? Wenn nicht, sind Anpassungen notwendig.

Prinzip 3: Kohärenz

Farben, Formen und Größen müssen konsistent und logisch eingesetzt werden. Kohärenz bedeutet, dass gleiche Dinge gleich aussehen und unterschiedliche Dinge sich klar unterscheiden. Eine Farbe, die in einem Diagramm für „Zuwachs“ steht, darf in einem anderen Teil derselben Grafik nicht für „Abnahme“ stehen.

Typische Kohärenzfehler: unterschiedliche Balkenbreiten ohne Bedeutung, willkürliche Farbwahl, inkonsistente Schriftgrößen.

Prinzip 4: Visuelle Hierarchie

Das menschliche Auge folgt einer Scanreihenfolge: Es sucht zuerst nach dem größten, kontrastreichsten oder farblich auffallendsten Element. Visuelle Hierarchie bedeutet, diesen natürlichen Scanweg bewusst zu gestalten. Die wichtigste Information muss visuell dominant sein – durch Größe, Farbe, Position oder Kontrast.

Beispiel:
In einer Infografik über Arbeitslosenzahlen soll die aktuelle Gesamtquote die größte Zahl sein und zentral platziert werden. Regionale Detaildaten werden kleiner und im Rand- oder Unterbereich positioniert.

Prinzip 5: Evidenzbasierung

Alle Daten in einer Infografik müssen korrekt, vollständig und nachvollziehbar sein. Quellenangaben gehören zur professionellen Infografik. Irreführende Darstellungen – etwa Achsen, die nicht bei Null beginnen, oder Kreisdiagramme, deren Segmente sich nicht zu 100 % addieren – sind sowohl handwerkliche Fehler als auch ethische Verstöße.

Warnung:
Nicht jede ansprechende Infografik ist auch eine korrekte. Eine häufige Manipulationstechnik ist das Abschneiden der Y-Achse: Ein Balkendiagramm, das erst bei 90 % beginnt, lässt kleine Unterschiede dramatisch groß erscheinen.


Prinzipien im Überblick

PrinzipBeschreibungHäufiger Fehler
KlarheitEine Kernaussage, kein gestalterisches RauschenÜberladene Grafik mit zu vielen Elementen
LesbarkeitSchriften und Zahlen sofort verständlichZu kleine Schrift, zu geringer Kontrast
KohärenzFarben, Formen, Größen konsistent eingesetztGleiche Farbe für verschiedene Bedeutungen
Visuelle HierarchieWichtiges visuell dominant, Unwichtiges zurückgenommenAlle Elemente gleich groß und gleich stark
EvidenzbasierungDaten korrekt, vollständig und mit QuellenangabeAbgeschnittene Achsen, fehlende Quellen
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