Medienneutrale Daten

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Der Ausgangspunkt: Inhalt und Darstellung

Bevor wir uns dem Begriff medienneutrale Daten nähern, lohnt sich ein kurzer Schritt zurück. In der Medienproduktion entsteht täglich eine Menge an Inhalten: Texte, Produktbeschreibungen, Preisangaben, Bildunterschriften, Artikel. Diese Inhalte müssen irgendwo gespeichert werden, bevor sie in einem Magazin erscheinen, auf einer Website veröffentlicht oder in einer App ausgespielt werden.

Die entscheidende Frage ist: Wie werden diese Inhalte gespeichert? Werden sie direkt im Layoutprogramm getippt und gestaltet? Oder werden sie so abgelegt, dass sie unabhängig vom späteren Ausgabemedium weiterverwendet werden können?

Diese Frage klingt einfach, hat aber erhebliche Konsequenzen für den gesamten Produktionsprozess.

Das klassische Problem: mediengebundene Daten

Ein häufig anzutreffendes Szenario in den Redaktionen und Agenturen sieht folgendermaßen aus: Ein Redakteur schreibt einen Artikel direkt in Adobe InDesign. Er setzt die Schriftart, wählt die Farben, ordnet Bilder an. Das Ergebnis ist ein druckfertiges PDF. Soweit so gut.

Wenige Wochen später soll derselbe Artikel auf der Website erscheinen. Was passiert? Der Text muss aus dem InDesign-Dokument herauskopiert werden. Die Formatierungen passen nicht für das Web. Bilder müssen separat exportiert werden. Die Arbeit beginnt von vorne.

Dieses Szenario beschreibt das Problem mediengebundener Daten: Der Inhalt ist untrennbar mit einem bestimmten Medium oder Ausgabeformat verbunden. Er kann nicht ohne erheblichen Mehraufwand für andere Kanäle genutzt werden.

Beispiel: Produktkatalog ohne medienneutrale Datenhaltung
Ein Versandhandel pflegt seinen Produktkatalog direkt in einer InDesign-Datei. Jedes Produkt hat eine eigene Seite mit Bild, Beschreibung und Preis – alles händisch gestaltet. Am Ende der Saison sollen dieselben Produkte auch im Online-Shop erscheinen. Ergebnis: Ein Mitarbeiter muss alle 800 Produkte erneut in das Shop-System eintippen, weil die Daten nicht strukturiert vorliegen, sondern nur als gestaltete InDesign-Seiten existieren. Zeitaufwand: mehrere Wochen.

Was bedeutet „medienneutral“ genau?

Medienneutral bedeutet, dass ein Inhalt so gespeichert wird, dass er keinem bestimmten Ausgabemedium verpflichtet ist. Der Inhalt ist neutral gegenüber dem späteren Kanal – er ist weder für Print noch für Web noch für eine App optimiert, sondern offen für alle.

Das klingt abstrakt. Konkret bedeutet es: Ein Text wird nicht in InDesign formatiert abgelegt, sondern als reiner, strukturierter Text – zum Beispiel in einer XML-Datei. Das Layout, also wie dieser Text später aussieht, wird erst zum Zeitpunkt der Ausgabe durch ein Template, ein Stylesheet oder ein Layoutprogramm bestimmt.

Dieser Grundsatz hat einen Namen, der in der gesamten Medienbranche bekannt ist: die Trennung von Inhalt und Form.

Kernprinzip: Trennung von Inhalt und Form
Inhalt (Was wird gesagt?) und Form (Wie wird es dargestellt?) werden voneinander getrennt gespeichert. Der Inhalt existiert einmal, zentral. Die Form wird je nach Ausgabemedium neu definiert und angewendet.

Ein Vergleich aus dem Alltag

Ein gutes Bild für dieses Prinzip ist ein Kuchenrezept. Das Rezept selbst – Zutaten, Mengen, Arbeitsschritte – ist der Inhalt. Es ist unabhängig davon, wie es am Ende präsentiert wird: ob handgeschrieben auf einem Zettel, gedruckt in einem Kochbuch, angezeigt auf einem Tablet oder vorgelesen von einem Sprachassistenten.

Die Zutaten ändern sich nicht, je nachdem, auf welchem Medium das Rezept erscheint. Nur die Darstellung ändert sich. Genau das ist das Prinzip medienneutraler Daten: Der Inhalt bleibt stabil, das Medium ändert sich.

Übersicht

BegriffBedeutung
Mediengebundene DatenInhalte, die fest an ein bestimmtes Ausgabemedium gebunden sind und nicht ohne Mehraufwand wiederverwendet werden können.
Medienneutrale DatenInhalte, die unabhängig von einem bestimmten Ausgabemedium gespeichert werden und für verschiedene Kanäle genutzt werden können.
Trennung von Inhalt und FormGrundprinzip: Was gesagt wird (Inhalt) und wie es aussieht (Form) werden getrennt verwaltet.
AusgabemediumDer Kanal, über den ein Inhalt veröffentlicht wird: Print, Web, App, E-Paper u. a.
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