Das deutsche DIN-Klassifikationssystem

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Die DIN 16518 adaptiert das Vox-System für den deutschsprachigen Raum und berücksichtigt die besondere Rolle gebrochener Schriften in der deutschen Typografiegeschichte. Sie dient vor allem in Ausbildung und Schriftmustererstellung als systematische Grundlage für die Schriftauswahl und präzise Kommunikation über Schriftcharakteristika.

Spezifische Anpassungen

Das DIN-System erweitert die Vox-Klassifikation um eigene Kategorien, insbesondere für gebrochene Schriften, und verwendet teilweise andere Bezeichnungen. So werden etwa die „Didones“ als klassizistische Antiqua bezeichnet, um ihre historische Einordnung zu verdeutlichen.

Historische Schriftgruppen

  • Venezianische Renaissance-Antiqua: Erste gedruckte Antiqua-Schriften (1470–1520), orientiert an humanistischen Handschriften, geringer Strichstärkenkontrast, schräg angesetzte Serifen. Beispiele: Centaur, Bembo.
  • Französische Renaissance-Antiqua: 16. Jahrhundert, klarere Formen, stärkere Strichkontraste, senkrechte Achse der Rundungen. Vertreter: Garamond.
  • Barock-Antiqua: 17.–18. Jahrhundert, deutlicher Strichstärkenkontrast, feine horizontale Serifen, Ausdruck von Dynamik und Rationalität. Beispiele: Times New Roman, Caslon.
  • Klassizistische Antiqua: Spätes 18.–frühes 19. Jahrhundert, extremer Strichstärkenkontrast, sehr feine Serifen, geometrisch präzise, kühl und elegant. Beispiele: Bodoni, Didot.
  • Serifenbetonte Linear-Antiqua (Slab Serif): 19. Jahrhundert, kräftige rechteckige Serifen, robuste Wirkung, gute Lesbarkeit unter schwierigen Bedingungen. Beispiele: Rockwell, Clarendon.
  • Serifenlose Linear-Antiqua: Frühes 19. Jahrhundert, zunächst für Werbung und Plakate, radikal einfach, Untergruppen: Grotesk (z. B. Helvetica), geometrisch (z. B. Futura), humanistisch (z. B. Gill Sans).
  • Antiqua-Varianten: Alle übrigen Schriften, einschließlich gebrochener Schriften (Fraktur), fremdsprachiger und Fantasieschriften. Gebrochene Schriften dominierten bis ins 20. Jahrhundert in Deutschland, mit eckigen Bögen und schmaler Laufweite.

Moderne Entwicklungen

Die Digitalisierung hat neue Kategorien hervorgebracht: Corporate Fonts für Unternehmen, Web Fonts für Bildschirmdarstellung und Variable Fonts, die stufenlose Anpassungen von Strichstärke, Laufweite und weiteren Parametern erlauben. Diese Schriften lassen sich in den klassischen Systemen nur teilweise einordnen.



Venezianische Renaissance-Antiqua: https://de.wikipedia.org/wiki/Venezianische_Renaissance-Antiqua
Französische Renaissance-Antiqua: https://de.wikipedia.org/wiki/Venezianische_Renaissance-Antiqua
Barock-Antiqua: https://de.wikipedia.org/wiki/Barock-Antiqua
Klassizistische Antiqua: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassizistische_Antiqua
Egyptienne: https://de.wikipedia.org/wiki/Egyptienne
Grotesk (Schrift): https://de.wikipedia.org/wiki/Grotesk_(Schrift)
Antiqua-Varianten: https://de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Varianten
Schreibschriften: https://de.wikipedia.org/wiki/Schreibschriften
Handschriftliche Antiqua: https://de.wikipedia.org/wiki/Handschriftliche_Antiqua
Gebrochene Schrift: https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrochene_Schrift

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