Typografische Feinheiten

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Grundlagen

Striche und Leerzeichen

Bindestrich (-)
Erklärung: Der Bindestrich ist der kurze Strich. Er verbindet Wörter oder Teile von Wörtern.
Verwendung:
Zusammensetzungen: Hals-Nasen-Ohren-Arzt, E-Mail
Worttrennung am Zeilenende: Zei-|tung
Auslassungen: das Jahr 1990-1995 (falsch! Hier gehört eigentlich ein Bis-Strich hin, siehe unten)

Gedankenstrich (–)
Erklärung: Der Gedankenstrich ist der lange Strich. Er ist der König der Striche und vielseitig einsetzbar.
Verwendung:
Parenthese (Gedankenpause): „Die Entscheidung – sie wurde gestern Abend getroffen – ist endgültig.“
Strecke/Ausspannen: „Die Berlin–Warschau-Route.“ „Das 2:0-Sieg.“
Gegenüberstellungen: „Der Gegensatz zwischen Schwarz–Weiß.“

Bis-Strich (–)
Erklärung: Das ist im Grunde derselbe Strich wie der Gedankenstrich, aber in einer speziellen Funktion. Er ersetzt das Wort „bis“.
Verwendung:
Zeitspannen: „Die Veranstaltung geht von 18:00–22:00 Uhr.“
Seitenangaben: „Lesen Sie Seiten 45–52.“
Entfernungen: „Die Strecke Berlin–München.“

Geschütztes Leerzeichen ( )
Erklärung: Ein Leerzeichen, das verhindert, dass die Wörter davor und danach an einer unschönen Stelle umbrochen werden.
Verwendung:
Bei Namen: „Dr. Mustermann“ (sonst könnte „Dr.“ alleine am Zeilenende stehen).
Bei Datumsangaben: „15. Juli 2024“
Bei Maßeinheiten: „100 km/h“, „200 g“
Bei festen Begriffen: „z. B.“, „u. a.“, „§ 123“

Geviert und Abstände

Das „Geviert“ ist eine traditionelle typografische Maßeinheit, die sich von der Breite des Buchstabens „M“ ableitet. Es hilft, Abstände zu definieren.
Geviert (em space)
Erklärung: Ein Leerraum in der Breite der aktuellen Schriftgröße. Bei 12 Punkt Schrift ist ein Geviert 12 Punkt breit.
Verwendung: Historisch für Einzüge, heute eher selten.

Halbes Geviert (en space)
Erklärung: Ein Leerraum, der halb so breit ist wie ein Geviert.
Verwendung: Oft der korrekte Abstand für den Gedankenstrich, wenn er als Parenthese verwendet wird. Richtig: „Die Entscheidung – sie wurde gestern getroffen – ist endgültig.“ (Hier stehen halbe Geviert-Leerzeichen um den Strich).

Schmales Leerzeichen (thin space)
Erklärung: Ein sehr schmaler Abstand, schmaler als ein halbes Geviert.
Verwendung: Für eine feinere Trennung, wo ein normales Leerzeichen zu viel und ein geschütztes Leerzeichen zu wenig Abstand wäre.
Bei Anführungszeichen: „ Text “ (mit schmalem Leerzeichen innen).
Vor Satzzeichen in anderen Sprachen: „¡Hola!“ (auf Spanisch).
In großen Zahlen: 1 000 000 (anstatt eines Punkts oder Kommas).

Viertelgeviert (1/4 Geviert)
Erklärung: Ein sehr schmaler, aber noch deutlich sichtbarer Abstand.
Praktische Verwendung:
Als Ersatz für das schmale Leerzeichen, wenn dieses nicht verfügbar ist oder man noch feiner justieren möchte.
Abstand in mathematischen Formeln oder bei bestimmten Satzzeichen-Kombinationen, wo ein normales Leerzeichen zu viel wäre.

Sechstelgeviert (1/6 Geviert)
Erklärung: Ein extrem schmaler Abstand. Für das ungeübte Auge oft kaum noch von „keinem Abstand“ zu unterscheiden, aber die Wirkung ist da.
Praktische Verwendung: Perfekter Abstand für Anführungszeichen. Im hochwertigen Satz sollten deutsche Anführungszeichen („…“) einen winzigen Abstand zum Text haben. Ein Sechstelgeviert ist hier oft die ideale Wahl.
Abstand um Gedankenstriche in englischen Texten, wo es oft üblich ist, sie ohne Leerzeichen zu setzen, was aber zu knapp wirken kann. Ein 1/6-Geviert-Abstand schafft hier optische Entlastung.

Lesbarkeit

Ideale Schriftgröße für Lesetext (Fließtext)
Erklärung: Die Größe, die für das ermüdungsfreie Lesen auf einem bestimmten Medium optimal ist.
Richtwert:
Print (Zeitschrift/Buch): 9–12 Punkt (pt). 10 pt ist ein sehr verbreiteter und sicherer Wert.
Digital (Web): 16–20 Pixel (px). Das entspricht in etwa 12–14 pt, wirkt auf dem Bildschirm aber kleiner und klarer.

Arten von Anführungszeichen (Gänsefüßchen)
Erklärung: Es gibt verschiedene Stile, und die korrekte Wahl ist ein starkes Qualitätsmerkmal.
Deutsche Anführungszeichen: „…“ (unten, oben)

Französische / Guillemets: »…« (häufig in Büchern, wirkt eleganter)
– Richtig: »So macht man das.«

Einfache Anführungszeichen: ‚…‘ (für Zitate im Zitat)
– Richtig: „Er sagte: ‚Komm morgen vorbei‘, und ging.“

Laufweite (Tracking)
Erklärung: Die gleichmäßige Vergrößerung oder Verringerung des Abstands zwischen allen Buchstaben eines Textabschnitts.
Verwendung:
Enger stellen (negativer Wert): Für Überschriften in Großbuchstaben (Versalien), um sie kompakter zu machen.
Weiter stellen (positiver Wert): Für sehr kurze Texte in fetter Schrift, um sie lesbarer zu machen, oder für besonderen Look in Überschriften.

Spatien (Sperrung)
Erklärung: Das gezielte Erweitern des Abstands zwischen den Buchstaben eines einzelnen Wortes.
Verwendung: Wird heute fast nur noch für Versalien in Überschriften verwendet (z.B. „T I T E L“). Im Fließtext veraltet und wirkt unruhig.

Witwen und Waisen

Das sind die kleinen Textfragmente, die allein am Anfang oder Ende einer Seite oder Spalte stehen.

Waise (orphan)
Erklärung: Die erste Zeile eines neuen Absatzes, die ganz allein am Ende einer Seite/Spalte steht.
Beispiel: Am Ende der Seite steht nur ein einziges, kurzes Wort – der Rest des Absatzes ist auf der nächsten Seite.
Lösung: Manuell einen Seitenumbruch früher setzen oder den Text minimal anpassen.

Witwe (widow)
Erklärung: Die letzte Zeile eines Absatzes, die ganz allein am Anfang einer neuen Seite/Spalte steht.
Beispiel: Am Anfang einer neuen Seite steht eine einzelne Zeile, die zum Absatz der vorherigen Seite gehört.
Lösung: Wie bei der Waise. Beide gelten als grobe handwerkliche Fehler.

Hurenkind / Schusterjunge
Achtung, Verwirrung! Im Deutschen werden die Begriffe oft genau vertauscht verwendet. Der internationale Standard (Witwe/Waise) ist eindeutig. Am besten sprechen Sie immer von „Witwe“ und „Waise“, um Missverständnisse zu vermeiden. In vielen deutschen Übersetzungen von Layout-Programmen heißt es aber:
Hurenkind = Waise (orphan)
Schusterjunge = Witwe (widow)

Absatzgestaltung

Absatzeinrückung, erste Zeile
Erklärung: Die erste Zeile eines neuen Absatzes wird nach rechts eingerückt, um den Absatzbeginn visuell klar zu markieren.

Initialen
Erklärung: Ein großer, dekorativer Buchstabe am Anfang eines Kapitels oder Absatzes, der sich über zwei oder mehr Zeilen erstreckt.
Verwendung: Schafft einen starken optischen Einstieg und wirkt sehr edel. Wird oft in Magazinen für Feature-Geschichten verwendet.

Schreibweise von Zahlen, Maßen und Zeichen

Schreibweise von Zahlen
Eins bis Zwölf schreibt man in der Regel aus: „Es waren drei Hunde und fünfzehn Katzen im Garten.“
Ab 13 schreibt man Ziffern: „Er sammelte 27 Briefmarken.“

Maßeinheiten
I.d.R. mit geschütztem Leerzeichen!
• Richtig: 100 km, 20 °C, 5 cm, 2 kg
• Falsch: 100km, 20°C, 5cm

Geldbeträge
Währungssymbol: Das Symbol steht vor dem Betrag.
• Richtig: 25,99 €, $ 19.95 (im Englischen mit Leerzeichen)
Dezimaltrennzeichen: Im Deutschen ist es das Komma, im Englischen der Punkt.

IBAN
Zur besseren Lesbarkeit in Gruppen von 4 Zeichen darstellen.
• Richtig: DE12 3456 7890 1234 5678 90
• Falsch: DE12345678901234567890

Telefonnummer
International: +49 (0)30 12345678 – Die (0) in Klammern zeigt, dass sie nur im Inland gewählt werden muss.
National: 030 12345678 oder 030/12345678
Durchwahl: 030 12345678-90

Ergänzende Feinheiten

Ligaturen
• Buchstabenverschmelzungen für harmonischen Schriftfluss: fi, fl, ffl
Nicht auflösen! Nur bei Sperrung oder Großbuchstaben deaktivieren.

Versalien und Kapitälchen
Versalien: Großbuchstaben
Kapitälchen: kleine Großbuchstaben, meist zur Hervorhebung (z. B. Autor: MAX MUSTERMANN)

Optischer Randausgleich
• Feine Justierung, damit Satzbild visuell gerade wirkt – z. B. bei Anführungszeichen oder Satzzeichen am Rand.

Zeilenabstand und Registerhaltigkeit
• Alle Zeilen sollen sich auf gleicher vertikaler Basis befinden (besonders bei mehrspaltigem Satz).
• Wichtig für ruhiges Schriftbild und professionelles Layout.


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