Das deutsche DIN-Klassifikationssystem

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Die deutsche Norm DIN 16518 adaptiert das Vox-System für den deutschsprachigen Raum und berücksichtigt die besondere Bedeutung gebrochener Schriften in der deutschen Typografiegeschichte.

Spezifische Anpassungen

Das DIN-System erweitert die Vox-Klassifikation um spezielle Kategorien für gebrochene Schriften und verwendet teilweise andere Bezeichnungen. So werden beispielsweise die „Didones“ als „Klassizistische Antiqua“ bezeichnet, was die historische Einordnung präziser widerspiegelt.

Praktische Anwendung in Deutschland

Die DIN-Klassifikation wird in Deutschland vor allem in der Ausbildung und in der Schriftmustererstellung verwendet. Sie bietet eine systematische Grundlage für die Schriftauswahl und ermöglicht eine präzise Kommunikation über Schriftcharakteristika.

DIN 16518

Die bekannteste Klassifikation im deutschsprachigen Raum stammt von der Deutschen Institut für Normung (DIN 16518) aus dem Jahr 1964. Sie teilt Schriften in elf Hauptgruppen ein, die sowohl historische als auch formale Kriterien berücksichtigen.

Venezianische Renaissance-Antiqua

Diese Gruppe umfasst die ersten gedruckten Antiqua-Schriften, die zwischen 1470 und 1520 in Italien entstanden. Sie orientieren sich an den humanistischen Handschriften der Renaissance und zeichnen sich durch einen relativ geringen Strichstärkenkontrast und schräg angesetzte Serifen aus.

Charakteristisch ist die schräge Achse der runden Buchstaben, die an die Federhaltung beim Schreiben erinnert. Bekannte Vertreter sind die Centaur von Bruce Rogers und die Bembo, benannt nach dem Kardinal Pietro Bembo, für dessen Werk „De Aetna“ (1495) Aldus Manutius eine der ersten venezianischen Antiqua-Schriften schnitt.

Französische Renaissance-Antiqua

Diese Schriften entstanden im 16. Jahrhundert in Frankreich unter dem Einfluss italienischer Meister. Sie zeigen eine weitere Entwicklung der Renaissance-Ideale mit klareren Formen und einem etwas stärkeren Strichstärkenkontrast.

Die Achse der runden Buchstaben steht nahezu senkrecht, was den Schriften eine ruhigere, statischere Wirkung verleiht. Claude Garamonds Schriften aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gelten als Höhepunkt dieser Entwicklung und beeinflussen bis heute die Schriftgestaltung.

Barock-Antiqua

Die Barock-Antiqua des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zeigt deutlich stärkeren Strichstärkenkontrast. Die Serifen werden feiner und horizontaler ausgerichtet. Diese Entwicklung spiegelt den Wandel vom Renaissance-Humanismus zum rationalistischen Denken des Barock wider.

Wichtige Vertreter sind die Times New Roman, ursprünglich 1932 von Stanley Morison für die Londoner Times entwickelt, sowie die Caslon von William Caslon aus dem 18. Jahrhundert.

Klassizistische Antiqua

Diese Schriften des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts zeigen extremen Strichstärkenkontrast zwischen Haar- und Grundstrichen. Die Serifen sind sehr fein und horizontal ausgerichtet. Der Charakter ist kühl, rational und geometrisch präzise.

Die Bodoni von Giambattista Bodoni und die Didot von Firmin Didot verkörpern diesen Stil. Ihre extreme Eleganz macht sie besonders für repräsentative Anwendungen geeignet, während ihre schlechte Lesbarkeit bei kleinen Schriftgrößen sie für Fließtext ungeeignet macht.

Serifenbetonte Linear-Antiqua

Diese im 19. Jahrhundert entstandenen Schriften zeichnen sich durch sehr kräftige, rechteckige Serifen aus, die fast die gleiche Stärke wie die Grundstriche haben. Sie entstanden als Reaktion auf die filigranen klassizistischen Schriften und sollten auch in schlechten Druckbedingungen gut lesbar sein.

Die Rockwell und die Clarendon sind typische Vertreter dieser auch als „Slab Serif“ bezeichneten Schriften. Ihre robuste Ausstrahlung macht sie besonders für technische Publikationen und Beschilderungen geeignet.

Serifenlose Linear-Antiqua

Die ersten serifenlosen Schriften entstanden im frühen 19. Jahrhundert und wurden zunächst nur für Akzidenzschriften (Werbung, Plakate) verwendet. Ihre radikale Einfachheit galt als revolutionär und rief zunächst heftige Kritik hervor.

Man unterscheidet verschiedene Untergruppen: Grotesk-Schriften wie die Helvetica zeigen wenig Strichstärkenkontrast und geschlossene Formen. Geometrische Schriften wie die Futura basieren auf geometrischen Grundformen. Humanistische Schriften wie die Gill Sans übernehmen Proportionen und Details der klassischen Antiqua.

Antiqua-Varianten

Diese Gruppe umfasst alle Schriften, die nicht in die anderen Kategorien passen. Dazu gehören gebrochene Schriften wie die Fraktur, fremdsprachige Schriften und Fantasieschriften.

Die gebrochenen Schriften, auch gotische Schriften genannt, waren vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert die deutschen Nationalschriften. Sie zeichnen sich durch eckige, gebrochene Bögen und eine sehr schmale Laufweite aus.

Moderne Entwicklungen

Die digitale Revolution hat neue Schriftkategorien hervorgebracht, die in den klassischen Systemen nicht berücksichtigt sind. Corporate Fonts werden speziell für Unternehmen entwickelt, Web Fonts sind für die Bildschirmdarstellung optimiert, und Variable Fonts erlauben stufenlose Anpassungen von Strichstärke, Laufweite und anderen Parametern.

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