Brandbook-Erstellung – Styleguide

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Einleitung

Ein Brandbook, auch als Corporate-Design-Manual bezeichnet, ist ein verbindliches Regelwerk, das die visuelle und kommunikative Identität einer Marke dokumentiert und steuert. Es dient als zentrales Referenzdokument für alle Personen und Abteilungen, die mit der Gestaltung von Markenkommunikation betraut sind – intern wie extern. Ohne ein solches Regelwerk wäre die konsistente Wahrnehmung einer Marke über verschiedene Kanäle, Medien und Zeitpunkte hinweg nicht gewährleistet.

Die Notwendigkeit eines Brandbooks ergibt sich aus der Erkenntnis, dass Marken nicht nur durch ihre Produkte oder Dienstleistungen wirken, sondern maßgeblich durch wiederkehrende visuelle und sprachliche Muster. Diese Muster schaffen Wiedererkennung, Vertrauen und unterscheiden die Marke von Wettbewerbern. Ein Brandbook institutionalisiert diese Muster und macht sie für alle Beteiligten verbindlich und nachvollziehbar.


Grundlagen und Funktionen eines Brandbooks

Definition und Zweck

Ein Brandbook ist ein Dokument, das die Gestaltungsrichtlinien einer Marke festhält. Es definiert, wie die Marke nach außen auftreten soll und wie sie nicht auftreten darf. Der Zweck ist dreifach:
Konsistenzsicherung: Es gewährleistet, dass alle Kommunikationsmaßnahmen ein einheitliches Erscheinungsbild aufweisen, unabhängig davon, wer sie erstellt.
Qualitätssicherung: Es setzt Standards, die eine gleichbleibend hohe Qualität der Gestaltung sichern.
Effizienzsteigerung: Es erspart wiederkehrende Entscheidungsprozesse und Diskussionen über gestalterische Grundsätze, da diese verbindlich festgelegt sind.

Zielgruppen eines Brandbooks

Ein Brandbook adressiert unterschiedliche Nutzergruppen mit jeweils spezifischen Anforderungen:
Interne Mitarbeitende: Marketingabteilungen, Kommunikationsverantwortliche, Assistenzfunktionen benötigen klare Anweisungen für alltägliche Aufgaben.
Externe Dienstleister: Agenturen, Grafiker:innen, Druckereien und Fotograf:innen benötigen technisch präzise Vorgaben.
Partner und Lizenznehmer: Unternehmen, die die Marke im Rahmen von Kooperationen nutzen, benötigen verbindliche Richtlinien.
Führungsebene: Das Management benötigt ein Verständnis für den strategischen Wert der Markenführung.


Struktur und Inhalte eines Brandbooks

Ein professionelles Brandbook folgt einer logischen Struktur, die vom Allgemeinen zum Speziellen, vom Strategischen zum Operativen führt.

Markenstrategie und Positionierung

Bevor die visuellen Elemente erläutert werden, sollte das Brandbook die Grundlagen der Marke darlegen:
Markenidentität: Was ist der Kern der Marke? Wofür steht sie?
Markenwerte: Welche Werte verkörpert die Marke?
Positionierung: Wie unterscheidet sich die Marke von Wettbewerbern?
Zielgruppen: Wen spricht die Marke an?
Diese strategische Grundlage ist essenziell, weil sie das Verständnis für die später folgenden gestalterischen Festlegungen schafft. Gestaltung ist hier nicht willkürlich, sondern Ausdruck der Markenstrategie.

Logo und Wortmarke

Das Logo ist das zentrale Erkennungszeichen einer Marke. Das Brandbook muss hier präzise Festlegungen treffen:
Logovarianten: Darstellung der Hauptversion, der Negativversion (für dunkle Hintergründe), der Schwarz-Weiß-Version und gegebenenfalls einer reduzierten Version für kleine Anwendungsgrößen.
Schutzraum: Definition des minimalen Abstands zu anderen Elementen und Seitenrändern. Dieser wird häufig in Einheiten der Logobreite oder -höhe angegeben.
Mindestgröße: Angabe der kleinsten zulässigen Darstellungsgröße, um die Lesbarkeit zu gewährleisten.
Falsche Verwendungen (Do’s and Don’ts): Visuelle Beispiele für nicht erlaubte Anwendungen: Verzerren des Logos, Farbveränderungen, Platzierung auf unruhigen Hintergründen, Hinzufügen von Schatten oder Effekten.

Farbdefinitionen

Farben transportieren Emotionen und schaffen Wiedererkennung. Die Definition muss für verschiedene Ausgabemedien präzise erfolgen:

CMYK: Für den Druckprozess (Cyan, Magenta, Yellow, Key/Black).
RGB: Für Bildschirmanwendungen (Rot, Grün, Blau).
Pantone (HKS): Für Sonderfarben im Druck, wenn eine exakte Farbwiedergabe erforderlich ist.
RAL: Für physische Produkte oder Beschilderungen.
Webcodes (HEX): Für digitale Anwendungen.
Zusätzlich sollten Primärfarben (Hauptfarben der Marke) und Sekundärfarben (Akzentfarben für bestimmte Anwendungen) unterschieden werden. Auch Angaben zu Farbkombinationen und Hintergründen (z.B. „Logo in Farbe X nur auf Hintergrund Y“) sind notwendig.

Typografie

Schriftarten prägen den Charakter der Kommunikation maßgeblich. Das Brandbook legt fest:
Hausschriften: Welche Schriftfamilien werden verwendet? Unterschieden wird häufig zwischen einer Schrift für Überschriften und einer für Fließtexte.
Schriftschnitte: Welche Schnitte (regular, bold, italic, light) sind für welche Anwendungen vorgesehen?
Auszeichnungen: Wie werden Hervorhebungen im Text realisiert?
Hierarchien: Festlegung von Schriftgrößen für Überschriften verschiedener Ebenen, Zwischentitel, Fließtexte, Bildunterschriften.
Laufweite, Zeilenabstand und Satzausrichtung: Technische Parameter, die die Lesbarkeit und den Gesamteindruck beeinflussen.
Bei digitalen Anwendungen muss zudem definiert werden, welche Schriftarten als Fallback dienen, wenn die Hausschrift nicht verfügbar ist (Webfonts, Systemschriften).

Bildsprache und Fotografie

Die Bildsprache ist oft komplexer zu definieren als rein technische Parameter. Hier geht es um den Stil der verwendeten Bilder:
Bildmotive: Welche Motive sind typisch? Zeigt die Marke Menschen (wenn ja, in welchen Situationen?), Produkte, Abstraktionen?
Bildstil: Sind die Bilder eher dokumentarisch, inszeniert, minimalistisch, dynamisch?
Farbstimmung: Gibt es eine charakteristische Farbkorrektur oder Filter?
Perspektiven: Werden bestimmte Kameraperspektiven bevorzugt (Augenhöhe, Vogelperspektive, Detailaufnahmen)?
Idealerweise wird dies durch positive Beispiele (Best Practices) und negative Beispiele (was nicht dem Stil entspricht) veranschaulicht.

Grafische Elemente und Patterns

Viele Marken verwenden wiederkehrende grafische Elemente, die nicht das Logo sind:

Icons und Piktogramme: Einheitlicher Stil für alle verwendeten Symbole.
Linien, Flächen und Formen: Wiederkehrende Gestaltungselemente, die als Wiedererkennungsmerkmale dienen.
Patterns und Texturen: Hintergrundmuster, die aus Logobestandteilen oder anderen Formen entwickelt werden können.
Diese Elemente müssen in ihrer Anwendung und Kombination beschrieben werden.

Tone of Voice und Sprachregelung

Ein umfassendes Brandbook geht über die reine Visualität hinaus und definiert die sprachliche Identität:

Sprachstil: Ist die Sprache formell oder informell? Verwendet sie Fachbegriffe oder allgemeinverständliche Formulierungen? Ist sie eher sachlich oder emotional?
Wortschatz: Gibt bevorzugte Begriffe und Formulierungen. Welche Begriffe sollen vermieden werden?
Grammatik und Orthografie: Festlegung bei Zweifelsfällen (z.B. Verwendung von Gendersternchen, Schreibweise von Produktnamen).
Textsorten: Vorgaben für unterschiedliche Textformen (Webseite, Pressemitteilung, Social-Media-Post).

Anwendungsbeispiele

Die reine Auflistung von Regeln bleibt abstrakt. Anwendungsbeispiele zeigen, wie die Elemente in der Praxis zusammenwirken:

Geschäftsausstattung: Briefbogen, Visitenkarten, Umschläge, E-Mail-Signaturen.
Digitale Anwendungen: Webseite, Social-Media-Profile, Newsletter, digitale Anzeigen.
Werbemittel: Plakate, Anzeigen, Broschüren, Flyer.
Produktgestaltung: Verpackungen, Etiketten, gegebenenfalls Produktdesign.
Räumliche Anwendungen: Messestände, Ladengestaltung, Beschilderungen.

Do’s and Don’ts

Ein eigenes Kapitel zu Fehlanwendungen ist aus didaktischer Sicht besonders wertvoll. Es zeigt typische Fehler und macht die Grenzen des Erlaubten deutlich. Dies können sein:

  • Falsche Logo-Platzierung
  • Unzulässige Farbkombinationen
  • Verwendung veralteter Logoversionen
  • Eigenmächtige Veränderungen von Schriftarten oder -größen
  • Bildausschnitte, die nicht der Bildsprache entsprechen

Die Gegenüberstellung von richtig und falsch ist hier die effektivste Darstellungsform.


Digitale Brandbooks und Style Guides

Mit der zunehmenden Bedeutung digitaler Medien haben sich spezifische Formate von Brandbooks entwickelt.

Statische vs. interaktive Dokumente

Traditionelle Brandbooks wurden als PDF-Dokumente erstellt. Sie haben den Vorteil der einfachen Verteilung und der Druckbarkeit. Ihr Nachteil ist die fehlende Interaktivität und die Schwierigkeit, Aktualisierungen zeitnah umzusetzen.

Digitale Brandbooks sind als Webseiten oder interaktive Plattformen realisiert. Sie bieten:

Suchfunktionen: Schnelles Auffinden spezifischer Informationen.
Interaktive Elemente: Farbwähler, die direkt die entsprechenden CMYK- oder RGB-Werte anzeigen.
Downloadbereiche: Bereitstellung von Logodateien, Vorlagen und Assets zum direkten Herunterladen.
Versionierung: Einfache Möglichkeit, Aktualisierungen vorzunehmen und zu kommunizieren.

Integration in digitale Arbeitsumgebungen

Moderne digitale Styleguides können direkt in die Arbeitsumgebungen von Designern und Entwicklern integriert werden. Code-Snippets für Webentwickler, UI-Kits für Interface-Designer und Vorlagen für Content-Management-Systeme sind Beispiele dafür, wie ein Brandbook über die reine Dokumentation hinausgeht und aktiv den Arbeitsprozess unterstützt.


Bekannte Marken als Beispiele

Die Analyse etablierter Brandbooks kann wertvolle Erkenntnisse für die eigene Arbeit liefern.

Beispiel: Apple

Das Brandbook von Apple (intern „Apple Identity Guidelines“) ist bekannt für seine Klarheit und Reduktion. Es spiegelt die Markenphilosophie wider: Fokus auf das Wesentliche, keine überflüssigen Elemente. Die Bildsprache ist minimalistisch, die Produktfotografie ikonisch. Das Brandbook zeigt eindrücklich, wie die Markenwerte „Einfachheit“ und „Innovation“ in gestalterische Prinzipien übersetzt werden.

Beispiel: BMW

BMW verfügt über ein umfangreiches Brandbook, das die langjährige Markentradition mit modernen Anforderungen verbindet. Besonders bemerkenswert ist die präzise Definition des charakteristischen „BMW-Nierengrills“ als zentrales Markenelement. Das Brandbook zeigt detailliert, wie dieses Element in verschiedenen Anwendungen eingesetzt werden darf und wie nicht.

Beispiel: Deutsche Bank

Das Brandbook der Deutschen Bank ist ein Beispiel für die Bewältigung von Komplexität. Als international tätiges Finanzinstitut muss die Marke in unterschiedlichsten kulturellen Kontexten und Anwendungsbereichen konsistent auftreten. Das Brandbook definiert daher nicht nur die visuellen Elemente, sondern auch kulturelle Anpassungen und spezifische Regelungen für verschiedene Geschäftsfelder.


Erstellung eines Brandbooks: Methodisches Vorgehen

Die Entwicklung eines Brandbooks ist ein mehrstufiger Prozess, der methodisch strukturiert werden sollte.

Analysephase

Vor der Entwicklung der Richtlinien steht die Analyse:
Bestandsaufnahme: Welche Materialien existieren bereits? Welche gestalterischen Muster haben sich etabliert?
Wettbewerbsanalyse: Wie präsentieren sich die relevanten Wettbewerber? Wo gibt es Unterscheidungspotenzial?
Zielgruppenanalyse: Welche gestalterischen Präferenzen und Erwartungen haben die relevanten Zielgruppen?

Konzeptionsphase

Aus der Analyse werden die Grundlagen für das Brandbook entwickelt:
Festlegung der Markenwerte: Welche Werte sollen durch die Gestaltung transportiert werden?
Entwicklung der Gestaltungselemente: Logo, Farbwelt, Typografie, Bildsprache.
Ableitung der Gestaltungsprinzipien: Wie sollen die Elemente kombiniert werden? Welche grundlegenden Kompositionsregeln gelten?

Dokumentationsphase

Die eigentliche Erstellung des Brandbooks umfasst:

Strukturierung: Aufbau des Dokuments in einer logischen und verständlichen Gliederung.
Formulierung: Präzise und eindeutige Beschreibung der Regeln, vermeidung von Interpretationsspielräumen.
Visualisierung: Darstellung der Regeln durch Beispiele, Grafiken und Anwendungsdarstellungen.
Technische Spezifikation: Bereitstellung aller technischen Daten (Farbwerte, Dateiformate, Maße).

Implementations- und Schulungsphase

Ein Brandbook entfaltet seine Wirkung erst in der Anwendung:
Interne Kommunikation: Vorstellung des Brandbooks bei allen relevanten Mitarbeitenden.
Schulungen: Vermittlung der Inhalte, insbesondere bei komplexeren Regelungen.
Bereitstellung der Assets: Logodateien, Vorlagen und Muster müssen leicht zugänglich sein.
Ansprechpartner: Benennung einer verantwortlichen Stelle für Rückfragen und Ausnahmegenehmigungen.


Pflege und Weiterentwicklung

Ein Brandbook ist kein statisches Dokument, sondern muss regelmäßig überprüft und angepasst werden.

6.1 Aktualisierungszyklen

Technologische Entwicklungen (neue Medien, neue Druckverfahren), gesellschaftliche Veränderungen oder strategische Neuausrichtungen der Marke können Anpassungen erforderlich machen. Ein fester Turnus für die Überprüfung des Brandbooks (z.B. alle zwei Jahre) stellt sicher, dass es aktuell bleibt.

6.2 Umgang mit Ausnahmen

In der Praxis kann es Situationen geben, in denen von den Regeln abgewichen werden muss. Ein professionelles Brandbook sollte einen Prozess für solche Ausnahmen definieren: Wer darf Ausnahmen genehmigen? Unter welchen Bedingungen sind sie vertretbar? Wie werden sie dokumentiert?

6.3 Versionierung und Dokumentation

Jede Änderung am Brandbook sollte dokumentiert werden. Ein Versionsverlauf mit Datum und Beschreibung der Änderungen ermöglicht es allen Nutzern, den aktuellen Stand nachzuvollziehen und bei älteren Materialien zu prüfen, ob sie noch den damaligen Richtlinien entsprachen.


Glossar der Fachbegriffe

Brandbook: Dokument, das die Gestaltungsrichtlinien einer Marke festhält.

CMYK: Farbmodell für den Vierfarbdruck (Cyan, Magenta, Yellow, Key/Black).

Corporate Design: Visuelles Erscheinungsbild eines Unternehmens.

Hausschrift: Die für ein Unternehmen verbindlich festgelegte Schriftart.

HEX: Hexadezimale Farbdefinition für Webanwendungen.

HKS: Farbmodell für Sonderfarben im Druck (benannt nach den Herstellern Hostmann-Steinberg, Kast + Ehinger, Schmincke).

Logo: Grafisches Zeichen, das eine Marke repräsentiert.

Pantone: US-amerikanisches Unternehmen mit einem weit verbreiteten Farbmodell für Sonderfarben.

Pattern: Wiederkehrendes grafisches Muster.

RGB: Farbmodell für Bildschirmanwendungen (Rot, Grün, Blau).

Schutzraum: Der Mindestabstand, den ein Logo zu anderen Elementen einhalten muss.

Tone of Voice: Sprachlicher Stil, mit dem eine Marke kommuniziert.

Typografie: Lehre und Gestaltung von Schrift.

Wortmarke: Logo, das ausschließlich aus Buchstaben besteht.


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