Audiovisuelle Medien und Bewegtbild

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In der Welt des Corporate Design dominieren oft die klassischen Print- und Digitalmedien. Geschäftsberichte, Broschüren, Websites oder Social-Media-Grafiken bilden traditionell das Rückgrat der visuellen Kommunikation eines Unternehmens. Diese Medien sind primär statisch; sie arbeiten mit fixierten Inhalten, die der Betrachter auf einen Blick erfassen kann.

Doch die mediale Realität ist vielschichtiger. Ein erheblicher Teil der heutigen Markenkommunikation findet über nicht-statische, zeitbasierte Formate statt. Hier verlässt man die Fixierung des Einzelbildes und begibt sich in den Fluss von Bildern, Tönen und Abläufen. Diese Dimension erfordert eine Erweiterung des klassischen Designverständnisses. Ein durchdachtes Corporate Design endet nicht am Rand der Visitenkarte, sondern muss sich auch im Bewegtbild und in akustischen Erlebnissen entfalten können.


Die Besonderheiten des Bewegtbildes

Während statische Medien einen Moment einfrieren, lebt das Bewegtbild von der Inszenierung eines zeitlichen Verlaufs. Für eine Marke ergeben sich daraus spezifische Vorteile:

  • Emotionale Aufladung: Durch die Kombination aus Bildbewegung, Schnitt und Ton können komplexe Stimmungen erzeugt werden. Eine Marke kann nicht nur gezeigt, sondern erlebbar gemacht werden.
  • Vermittlung von Dynamik: Bewegung suggeriert per se Lebendigkeit, Innovation und Fortschritt. Ein Unternehmen kann sich als agil und zukunftsorientiert präsentieren.
  • Narrative Tiefe: Bewegtbild ist das ideale Medium, um Geschichten zu erzählen. Es ermöglicht, komplexe Sachverhalte in einen erzählerischen Rahmen zu betten und so die Aufmerksamkeit und das Verständnis des Publikums zu lenken.

Das Feld des Bewegtbildes ist denkbar weit. Es umfasst im Kern die gesamte Bandbreite der Film- und Videoproduktion, von der einfachen Smartphone-Aufnahme bis zur aufwendigen Kinoproduktion. Für die Zwecke des Corporate Design und der Unternehmenskommunikation lassen sich jedoch einige zentrale Anwendungsbereiche identifizieren.


Zentrale Anwendungsbereiche des Bewegtbilddesigns

Um einen systematischen Überblick zu gewinnen, ist es sinnvoll, das Thema in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Diese Kategorien überschneiden sich in der Praxis, helfen aber, die unterschiedlichen Anforderungen und Gestaltungsziele zu verstehen.

Corporate Video und Film-Branding

Dies ist der wohl direkteste Transfer filmischer Mittel in die Unternehmenskommunikation. Es geht um die Produktion von Videos, die einen klaren unternehmerischen Zweck erfüllen. Das „Film-Branding“ stellt dabei sicher, dass diese Videos als Teil einer einheitlichen Markenidentität erkennbar sind.

Wichtige Ausprägungen sind:

  • Introsequenzen: Kurze, prägnante Vorspänne, die ein Video markenrechtlich rahmen. Sie etablieren sofort den Absender und stimmen den Zuschauer auf den folgenden Inhalt ein.
  • Imagefilme: Diese Filme verdichten die Werte, die Philosophie und die Kompetenz eines Unternehmens in einem kurzen, oft emotional ansprechenden Format. Sie dienen der allgemeinen Repräsentation nach außen.
  • Tutorials und Erklärvideos: Hier steht die Wissensvermittlung im Vordergrund. Produkte werden vorgestellt, Prozesse erläutert oder komplexe Dienstleistungen verständlich gemacht.

Die gestalterische Herausforderung besteht darin, die narrative Freiheit des Films mit den starren Vorgaben des Corporate Design (Farben, Schriften, Bildsprache) zu versöhnen.

Motion Graphics und Animation

Während der Realfilm die physische Welt abbildet, erschließt die Animation neue visuelle Welten. Unter Motion Graphics versteht man die Gestaltung bewegter grafischer Elemente. Dies können animierte Logos, typografische Bewegtbilder, informierende Diagramme oder illustrierte Szenen sein.

Die Stärken liegen auf der Hand:

  • Erklärungskraft: Komplexe abstrakte Prozesse (z.B. Datenströme, Funktionsweisen von Software) lassen sich mit Animationen oft klarer darstellen als mit Realfilm.
  • Visuelle Aufmerksamkeit: Bewegung in Grafiken lenkt den Blick des Betrachters gezielt. Wichtige Informationen können hervorgehoben werden, während unwichtige in den Hintergrund treten.
  • Markenwelten: Animationen erlauben einen hohen Grad an Stilisierung. Eine Marke kann eine eigene, unverwechselbare Bildwelt erschaffen, die losgelöst von den Zwängen der realen Welt existiert.

Presentation Design

Präsentationen mit Programmen wie Microsoft PowerPoint, Apple Keynote oder Google Slides sind aus dem Berufsalltag nicht wegzudenken. Sie sind ein Hybridmedium: Sie bestehen aus statischen Elementen, gewinnen aber durch die zeitliche Abfolge der Folien und integrierte Animationen eine dynamische Komponente.

Professionelles Presentation Design bedeutet, die Prinzipien des Corporate Design auf dieses Format anzuwenden. Es geht nicht nur um die hübsche Gestaltung einer Folie, sondern um die dramaturgische Führung des Publikums durch den Vortrag. Der gekonnte Einsatz von Übergängen, das schrittweise Einblenden von Inhalten (sogenanntes „Build-up“) und die Integration von kurzen Videosequenzen machen eine Präsentation zu einem kohärenten Markenerlebnis.

Sound Design und Audio Branding

Bewegtbild ist fast immer auch ein auditives Medium. Sound Design bezeichnet die Gestaltung der gesamten Hörerfahrung eines Videos – von den Geräuschen, die die Bilder untermalen, über die Sprachaufnahme bis hin zur musikalischen Untermalung.

Das Audio Branding (auch akustische Markenführung) geht noch einen Schritt weiter. Es überführt die Markenidentität konsequent in die akustische Dimension. Ziel ist es, einen unverwechselbaren Klang für die Marke zu schaffen.

Typische Elemente sind:

  • Jingles: Kurze, einprägsame Melodien, oft mit Gesang, die in der Werbung eingesetzt werden.
  • Akustische Signale: Töne, die eine bestimmte Funktion signalisieren (z.B. der Startton eines Computers).
  • Markenklänge (Soundlogos): Kurze, charakteristische Tonfolgen, die analog zu einem visuellen Logo funktionieren. Sie werden am Ende von Werbespots oder zu Beginn von Videos eingespielt und sorgen für eine sofortige Wiedererkennung.

Podcast-Branding

Podcasts haben sich als festes Medium der Unternehmenskommunikation etabliert. Auch hier spielt die einheitliche Gestaltung eine zentrale Rolle. Das Branding eines Podcasts ist zweigeteilt:

  • Visuelle Ebene: Das Cover-Design muss im Einklang mit dem Corporate Design stehen und den Podcast auf den Plattformen wiedererkennbar machen.
  • Auditive Ebene: Eine konsistente akustische Identität wird durch eine standardisierte Intro- und Outro-Musik sowie durch wiederkehrende akustische Elemente innerhalb der Episode geschaffen. Dies gibt dem Hörer Orientierung und festigt den Markenklang.

Praxisbeispiele: Markenklang als Wiedererkennungswert

Die Wirksamkeit von audiovisuellem Branding lässt sich an zwei bekannten Beispielen verdeutlichen.

Beispiel 1: Intel
Der Chiphersteller Intel setzt seit Jahrzehnten auf ein extrem kurzes, aber ungemein effektives Soundlogo. Es handelt sich um eine charakteristische, vier Töne umfassende Melodie, die umgangssprachlich oft als der „Intel-Bong“ bezeichnet wird. Dieses akustische Signal wird in allen Videos und Werbespots des Unternehmens platziert, häufig im letzten Moment. Die Wirkung ist bemerkenswert: Der Hörer verbindet diesen Klangbruchteil sofort mit der Marke Intel, noch bevor ein Logo erscheinen muss. Es schafft eine direkte, fast unbewusste Markenwiedererkennung und demonstriert die Kraft eines reduzierten, aber konsequent eingesetzten akustischen Elements.

Beispiel 2: Netflix
Der Streaming-Dienst Netflix nutzt ein aufwendigeres akustisches Markenzeichen. Zu Beginn jeder Eigenproduktion erscheint das rotierende „N“-Logo, begleitet von einem tiefen, dröhnenden „Ta-Dum“-Sound. Dieses Klanglogo ist bewusst so gestaltet, dass es Assoziationen an das Öffnen eines schweren Vorhangs oder das Anspringen eines Filmprojektors weckt. Es erzeugt einen „Kinomoment“ und signalisiert dem Zuschauer: „Gleich beginnt ein hochwertiges Filmerlebnis.“ Auch hier wird ein spezifisches Gefühl gezielt mit der Marke verknüpft.


Zusammenfassung

Das Bewegtbild ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Markenkommunikation. Es erweitert das statische Corporate Design um die Dimensionen Zeit, Bewegung und Klang. Die wesentlichen Handlungsfelder umfassen das Corporate Video, Motion Graphics, Presentation Design, Audio Branding und Podcast-Gestaltung. Ziel aller Bemühungen ist es, eine konsistente, wiedererkennbare und emotional ansprechende Markenpräsenz über alle audiovisuellen Kanäle hinweg zu gewährleisten. Die genannten Beispiele von Intel und Netflix zeigen, wie stark selbst minimale akustische Elemente zur Markenidentität beitragen können.


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