Erweiterte Bausteine des Corporate Design

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Die visuelle Identität einer Organisation erschöpft sich nicht in den klassischen Kernelementen wie Logo, Typografie und Farbgebung. Ein ganzheitliches Corporate Design umfasst vielmehr eine Reihe weiterer Dimensionen, die gemeinsam das Erscheinungsbild einer Marke prägen. In diesem Lernskript werden Sie mit diesen erweiterten Bausteinen vertraut gemacht.


1. Motion Design

Grundlagen und Definition

Motion Design, auch als Bewegtbildgestaltung bezeichnet, ist die Disziplin der visuellen Kommunikation, die sich mit animierten Inhalten befasst. Es handelt sich um die Verbindung von Grafikdesign mit filmischen Gestaltungsprinzipien. Motion Design verleiht statischen Markenelementen Dynamik und Lebendigkeit.

Funktionen im Corporate Design

Bewegtbild erfüllt im Markenkontext mehrere zentrale Aufgaben:

Aufmerksamkeitssteuerung: In einer reizüberfluteten Umgebung besitzt Bewegung eine hohe Wahrnehmungspsychologische Wirkung. Das menschliche Auge reagiert evolutionär bedingt besonders stark auf bewegte Reize, was Motion Design zu einem effektiven Instrument der Aufmerksamkeitslenkung macht.

Komplexitätsreduktion: Durch animierte Abläufe können komplexe Sachverhalte verständlicher dargestellt werden. Bewegung verdeutlicht Zusammenhänge, Hierarchien und Prozesse, die in statischer Form schwerer zu erfassen wären.

Emotionale Aufladung: Bewegtbild erzeugt Stimmungen und transportiert Markenwerte auf eine Weise, die statische Gestaltung nur begrenzt leisten kann.

Praxisbeispiel: Animierte Logos

Ein anschauliches Beispiel für gelungenes Motion Design ist das animierte Logo des Streaminganbieters Netflix. Das bekannte Intro mit dem markanten Ton verbindet sich zu einem audiovisuellen Erlebnis, das beim Zuschauer ein emotionales Kino-Gefühl hervorruft. Das Logo wird hier nicht nur statisch präsentiert, sondern inszeniert und mit Bedeutung aufgeladen.

Corporate Filme, animierte Erklärvideos und bewegte Social-Media-Inhalte sind daher zu festen Bestandteilen eines zeitgemäßen Erscheinungsbildes geworden.

Motion Guidelines

Damit der Einsatz von Bewegtbild über alle Anwendungen hinweg einheitlich bleibt, bedarf es verbindlicher Regelungen. Diese werden in sogenannten Motion Guidelines festgehalten. Sie definieren unter anderem:

  • Animationsdauern und Geschwindigkeiten
  • Bewegungsrichtungen und -gesetze
  • Übergänge zwischen Szenen
  • Timing von Ein- und Ausblendungen
  • Audiogestaltung und Sound-Logos

2. 3D-Design und räumliche Gestaltung

Erweiterung in die dritte Dimension

Corporate Design beschränkt sich nicht auf zweidimensionale Anwendungen. Dreidimensionale Gestaltung eröffnet erweiterte gestalterische Möglichkeiten und macht Marken im Raum erfahrbar.

Anwendungsbereiche

Dreidimensionale Logos: Markenzeichen können als physische Objekte realisiert werden, etwa als Skulpturen in Empfangsbereichen oder als Produktverpackungen mit plastischer Wirkung.

Räumliche Inszenierungen: Auf Messen, in Ausstellungen oder im Einzelhandel werden Markenräume geschaffen, die Besucher in die Markenwelt eintauchen lassen.

Environmental Design: Diese Gestaltungsdisziplin befasst sich mit der räumlichen Umsetzung von Markenidentität. Sie umfasst die Gestaltung von Arbeitsumgebungen, Ladenlokalen und öffentlich zugänglichen Räumen.

Spatial Design Guidelines

Für eine konsistente räumliche Umsetzung sorgen Spatial Design Guidelines. Diese Regelwerke legen Prinzipien für die dreidimensionale Markenapplikation fest:

  • Proportionen und Dimensionen von Markenelementen im Raum
  • Materialien und Oberflächenbeschaffenheiten
  • Lichtkonzepte und Inszenierung
  • Raumfolgen und Wegeführungen

3. Erlebnisorientierte Gestaltung

Messe-, Event- und Architekturdesign

Marken werden zunehmend über Erlebnisse kommuniziert. Messestände, Veranstaltungen und architektonische Lösungen machen die Marke im physischen Raum erlebbar. Diese Gestaltungsbereiche verbinden ästhetische mit funktionalen Anforderungen:

Ein Messestand muss sowohl die Markenidentität repräsentieren als auch kommunikative Funktionen erfüllen. Eventdesign schafft temporäre Markenerlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Architekturdesign kann Markenwerte dauerhaft im Stadtraum verankern.

Zukunftsperspektiven: VR und AR

Virtuelle Realität (VR) und Augmented Reality (AR) eröffnen neue Dimensionen der Markeninszenierung. VR ermöglicht vollständig immersive Markenerlebnisse in computergenerierten Welten. AR überlagert die reale Umgebung mit digitalen Informationen und Markenelementen.

Diese Technologien schaffen neuartige Interaktionsmöglichkeiten zwischen Konsumenten und Marken. Sie ermöglichen Produkterlebnisse ohne physisches Produkt und erweitern den gestalterischen Spielraum erheblich.


4. Kulturelle Adaption im globalen Kontext

Internationale Anforderungen

In einer globalisierten Wirtschaft müssen Marken in unterschiedlichen kulturellen Kontexten bestehen. Corporate Design steht vor der Aufgabe, eine konsistente Markenidentität zu bewahren und gleichzeitig kulturelle Sensibilität zu zeigen.

Kulturelle Bedeutung von Gestaltungselementen

Gestaltungselemente sind nicht universell verständlich, sondern werden kulturell unterschiedlich interpretiert:

Farben: Weiß symbolisiert in westlichen Kulturen Reinheit und Unschuld, in vielen asiatischen Kulturen hingegen Trauer und Tod. Rot steht in China für Glück und Wohlstand, in anderen Regionen für Gefahr oder Liebe.

Typografie: Schrift wirkt je nach Schriftsystem und kultureller Prägung unterschiedlich. Die Wahrnehmung von Serifen, Schriftstilen und Leserichtungen variiert kulturell.

Bildsprache: Die Darstellung von Menschen, Gestik und sozialen Situationen unterliegt kulturellen Konventionen. Was in einer Kultur als selbstverständlich gilt, kann in einer anderen Anstoß erregen.

Strategische Umsetzung

Das Ziel internationaler Markenführung ist es, die globale Markenidentität zu bewahren und sie zugleich lokal sensibel anzupassen. Dies erfordert:

  1. Identifikation kernelemente: Welche Markenbestandteile sind universell gültig und müssen weltweit einheitlich auftreten?
  2. Kulturanalyse: Welche kulturellen Besonderheiten sind in den Zielmärkten zu berücksichtigen?
  3. Adaptionsspielräume: In welchen Bereichen ist lokale Anpassung möglich, ohne die Markenidentität zu gefährden?
  4. Konsistenzsicherung: Wie wird sichergestellt, dass die lokal angepassten Lösungen noch als Ausdruck derselben Marke erkennbar sind?

Zusammenfassung:
Ein umfassendes Corporate Design integriert neben den klassischen Elementen zahlreiche weitere Gestaltungsdimensionen. Motion Design verleiht Marken Dynamik und emotionale Tiefe. Dreidimensionale und räumliche Gestaltung macht Marken erfahrbar. Erlebnisorientierte Formate und Zukunftstechnologien erweitern die Interaktionsmöglichkeiten. Im globalen Kontext erfordert dies eine sensible Balance zwischen weltweiter Konsistenz und kultureller Anpassungsfähigkeit.

Die genannten Gestaltungsbereiche sind keine isolierten Disziplinen, sondern wirken im Zusammenspiel. Ein durchdachtes Corporate Design berücksichtigt alle Ebenen und schafft so ein kohärentes Markenerlebnis über alle Berührungspunkte hinweg.

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